Der Westen blickt bei Menschenrechten weg

Die Menschenrechte sind laut Frank La Rue und Elham Manea vielerorts in Gefahr. Im Kunstzeughaus sprachen die Experten über aktuelle Herausforderungen.

Frank La Rue war von 2008 bis 2014 UNO-Sonderberichterstatter mit Blick auf Meinungs- und Äusserungsfreiheit. Der guatemaltekische Arbeits- und Menschenrechtsexperte wurde für sein Wirken 2004 für den Friedensnobelpreis nominiert. Gestern sprach er mit Elham Manea, die an der Universität Zürich am Institut für Politikwissenschaft als Privatdozentin forscht und lehrt. In Ägypten geboren, hat die Politologin die Schweizerische und jemenitische Staatsangehörigkeit. Im Kunstzeughaus diskutierten die Experten auf Einladung der Robert F. Kennedy Foundation über die Menschenrechte.

Die Augen öffnen

Im Gespräch wurde deutlich, dass diese Menschenrechte in einem globalen Umfeld von Krisen unter Druck geraten. Ob in totalitären Regimes des Mittleren Ostens oder in osteuropäischen Staaten, für La Rue ist die Meinungsfreiheit bedroht. Sexuelle Orientierung ist von Uganda über Ungarn bis Russland ein Grund für Verfolgung und Unterdrückung.

Einig waren sich die Gesprächspartner, dass die offensichtlichsten Probleme in Ländern zutage treten, die von Machteliten undemokratisch geführt werden. Dass der Westen dabei aus ökonomischen, geostrategischen und militärischen Gründen untragbare Zustände in Kauf nimmt, kritisierten sie scharf. Bezüglich Guatemala monierte La Rue, dass seit der Kolonisation durch die Spanier nicht nur die indigenen Völker auf wirtschafts-, gesundheits- und bildungspolitischer Ebene diskriminiert werden.

Manea richtete den Blick auf die arabische Welt, die sie als Forschungsschwerpunkt kennt. Dass Kriegskritikern im Jemen das Gefängnis drohe, sei nur ein Aspekt der Zensur. Das Mittel der Zensur ist für La Rue ein Zeichen, dass Dialog und Pluralismus unterdrückt werden. Insofern bedeutet Zensur immer auch, dass es Gegenbewegungen gegen die Machthaber gibt. Konsterniert wurde festgehalten, dass es immer einfacher sei, Gefahr und Angst zu schüren, als zu vermitteln und Frieden zu schliessen. Wichtig war Manea, dass in den muslimischen Staaten vor allem muslimische Bürger anderer Strömungen unterdrückt werden.

Angst nicht missverstehen

Auch in den vermeintlich aufgeklärten Staaten sehen Manea und La Rue Gefahren. Wenn nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» aus Rücksicht auf religiöse Gefühle Karikaturen ausbleiben, gilt es dies nach Manea genau zu analysieren. Sie sei mit manchen Darstellungen nicht einverstanden, doch dürfe dies die Meinungs- und Äusserungsfreiheit nicht beeinträchtigen. Die Angst vor einer Reaktion dürfe nicht als Respekt missverstanden werden. Die Gefahr bestehe, dass nicht der Islam als Religion respektiert werde, sondern die politische Ideologie des Islamismus.

Die Menschenrechte nicht als universell, sondern als westliche Prägung zu definieren, lässt Manea nicht gelten. Bei der Formulierung 1948 seien es gerade die Kolonialstaaten gewesen, die dieses kulturrelativistische Argument vorgebracht hätten. «Es geht um Menschlichkeit», ist La Rue sicher. Kein Mensch wolle gequält oder verfolgt werden und jeder erstrebe ein Leben in Würde – egal welcher Herkunft oder Religion.

(Erstellt: 11.10.2015; Markus Richter, Zürichsee Zeitung) - http://www.zsz.ch/obersee/standard/der-westen-blickt-bei-menschenrechten-weg/story/11840490

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